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Michael Plath

»navigare necesse est«

»Navigare necesse est!« Was der römische Feldherr Pompeius seinen reisemüden Seeleuten mit »Seefahrt tut Not« sagen wollte, bedeutet der Überlieferung nach: Entwicklung ist lebenswichtig. Stillstand kostet das Leben!

In meinem beruflichen Vorleben bin ich 15 Jahre lang als Marineoffizier im In- und Ausland auf See und an Land in verschiedenen Führungsfunktionen tätig gewesen. Mit Versetzungsraten von einmal alle 1-2 Jahre kann ich sagen: Veränderung ist ein Arschloch. Aber: Veränderung ist auch immer Chance und Wachstum. Je nachdem wie man sie wahrnimmt. Hierzu eine Geschichte, die ich vor einigen Jahren miterleben durfte.

Es ist ungewöhnlich hell an diesem Tag im Mai 2012 drei Seemeilen vor der Küste Estlands. Doch der Taucher sieht auf 15m Wassertiefe vor lauter Schwebeteilchen die Hand vor Augen nicht. In seiner Hand hält der 28-Jährige eine 10KG-Sprengladung, die über ein elektrisches Kabel mit dem über ihm stationierenden Schlauchboot verbunden ist. Keine zwei Meter vor ihm befindet sich die zu sprengende Mine. Gerade hat der Minentaucher ein Zeichen nach oben gegeben, die zur Minenmarkierung gehörige Leine einnehmen zu lassen, damit er auf Tiefe frei arbeiten kann. Fehler!

Er hat sich die genaue Position der Mine nicht gemerkt und der einzige sichtbare Referenzpunkt wird soeben aus dem Wasser geborgen. In der Hand hält er immer noch das Sprengpaket. Eine grob unvorsichtige Bewegung seinerseits oder ein Kurzschluss im Schlauchboot und …. Er würde es nicht einmal spüren. Panik steigt in ihm auf.

Es hat bereits alles zu lange gedauert und das von den Behörden genehmigte Zeitfenster neigt sich dem Ende zu. Zudem ist die gleichzeitige Sprengung zweier Minen ein Experiment, für dessen Freigabe viel Überzeugungsarbeit beim Kommandanten geleistet werden musste. Zu hart haben er und sein Team während der letzten Tage und Nächte auf See gearbeitet und sich zuvor wochenlang zusammen durch eine intensive Ausbildung gequält. Sie verlassen sich jetzt auf ihn. Und dann ist da noch dieses Team kanadischer Minentaucher an Bord, das über alles einen Erfahrungsbericht anfertigen wird… es steht viel auf dem Spiel. Zu viel!
»Durchatmen!« Bis zum Erreichen der maximal geplanten Tauchzeit hat er noch etwas Zeit, aber er muss sich beeilen. Jetzt aufzugeben ist keine Option.

Er ist der verantwortliche Operationsdienstoffizier des Minenjagdbootes und er will diese Sprengung. Sie alle wollen diese Sprengung und sie sind auch für ihn an ihre Belastungsgrenze gegangen. Doch auf wen oder was kann er sich gerade verlassen?!

Auf den Tauchereinsatzleiter und sein Team im Schlauchboot kann er sich verlassen. Sie überwachen seine Tauchzeit und verfolgen jede Bewegung der mit ihm verbundenen Schwimmboje. Sie werden jede äußere Gefahr von ihm fernhalten und ihn unter allen Umständen zurück ins Schlauchboot holen. Er kann sich auch auf seine fundierte Ausbildung verlassen. Es ist nicht der erste Tauchgang mit Null-Sicht, es ist auch nicht der erste Sprengtauchgang und es wird nicht der Letzte sein! Am Ende ist es seine persönliche Sicherheit, die zählt. Kein einziger seiner Kameraden wird ihm vorhalten, nicht alles riskiert zu haben.

Herzschlag und Atmung des Tauchers kehren zur Normalität zurück. Da! Er hat eine Idee. Er zückt sein Tauchermesser, steckt es als Kreismittelpunkt in den Boden und beginnt in der Horizontalen liegend mit langgestrecktem Körper vorsichtige Flossenbewegungen zu machen. Nach der gefühlten Ewigkeit von 30 Sekunden berührt er einen festen Gegenstand. Es ist seine Mine! Jetzt muss alles schnell gehen und jeder Handgriff muss sitzen. Messer sichern. Sprengpaket zwischen Boden und Minengefäß festdrücken, Sprengkabel an einem der Stahlringe festknoten…der verrottete Ring zerbricht. Auch das noch! Egal, jetzt ist er im Flow. Er zieht sich zwei Meter zusätzlichen Kabels ins Wasser und wickelt es um das gesamte Minengefäß. Sitzt. Eine Minute nach Ablauf der geplanten Tauchzeit gibt er an der Boje das Signal zum Auftauchen. Geschafft!

Schon beim Aufstieg kann er seine Überwältigung nicht mehr zurückhalten und muss laut loslachen. Ob sie ihn oben hören können? Kurz bevor er die Wasseroberfläche durchbricht, hat er sich wieder im Griff. Er taucht auf, bläst sein Jacket an und gibt das vertraute Zeichen der Taucher für »Alles ok!« Als der Tauchereinsatzleiter ihn fragt, warum er eine Minute über der Zeit sei, antwortet er mit einem verlegenen, aber breiten Grinsen: »Null-Sicht da unten«.
Die anderen Minentaucher helfen ihm zurück ins Schlauchboot, während der Sprengmeister schon die Zündung vorbereitet. Der Kommandant gibt per Funk den Sprengbefehl. 3-2-1….Rumps, High Order!
Zwei ca 60m hohe weiß-schwarzgraue Wassersäulen steigen in den blauen Himmel, die Druckwellen durchdringen ihr Boot und geben ihnen den letzten Ruck, ihrer Freude freien Lauf zu lassen. »Mission accomplished!« gibt der Kommandant über Funk durch. »Danke für Euren Beitrag zum Schutz der Seefahrt und der Umwelt in unserer Ostsee.«

Als der Offizier wenige Stunden später im Sonnenuntergang die Molenköpfe von Tallinn passiert, erinnert er sich an die Worte des großen Pompeius: »Recht hat er gehabt, der alte Römer« denkt er sich. »Heute Abend lassen wir es noch einmal richtig krachen!«

Der junge Minentaucheroffizier war ich…

… und was ich aus diesem Erlebnis gelernt habe, ist, dass in der Veränderung die drei folgenden Fragen Schlüsselfaktoren persönlicher Orientierung sein können:

Wer bin ich? In welcher Rolle und Funktion?
Was will ich genau? Was ist meine Mission?
Auf was und auf wen um mich herum kann ich vertrauen?

Wer vor allem die letzte Frage nicht beantworten kann, wird schnell an seine Grenzen kommen und sich nur noch auf subjektiv sicherem Terrain aufhalten oder eine Dummheit begehen. Damit Entwicklung und nicht Still- oder sogar Widerstand stattfinden, braucht es also immer wieder persönlichen Mut und ein vertrauensvolles Umfeld.

In meinen erlebnisorientierten Seminaren helfe ich Führungskräften dabei, die eigene Standortbestimmung im beruflichen Kontext zu vollziehen und entwickle mit ihnen Möglichkeiten, vertrauensvolle Umfelder für die Entwicklung und damit den Erfolg ihrer Teams zu bauen.

Aufgewachsen bin ich im schönen Westerwald. Heute lebe ich mit meiner Frau in einem kleinen Städtchen westlich von Hamburg.Ich liebe das Reisen, gute Küche, Musik und alle möglichen Aktivitäten in der Natur.

Vor allem am, auf und im Wasser fühle ich mich nach wie vor in meinem Element.

Schwerpunkte

Führungspersönlichkeit

Teamentwicklung

Change

Visions- und Strategieentwicklung

Michael Plath

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