Slider

Michael Plath

»Reise, Reise, Aufstehen!«

Ich singe, laut und schief. Im Rückspiegel der Marinestützpunkt Bremerhaven. Mein letzter Tag als Offizier. Soldat der Marine. Staatsbürger in Uniform. Ich stehe vor der Truppe, erhalte knapp und kurz ein paar lobende Worte vom Fregattenkapitän, umziehen, fertig. Ich bin jetzt kein Soldat mehr. Nach 15 Jahren. 5 Minuten bis zu meinem Auto.

5 Minuten hatte ich auf der Gorch Fock vom Aufstehen bis zur Hängemattenmusterung an Deck in Reih und Glied. Ich habe gelernt Angriffe unter und über Wasser abzuwehren, ich habe Menschen ausgebildet und darauf vorbereitet, im Notfall das Richtige zu tun und jetzt fahre ich auf der Autobahn nach Hamburg, in ein neues Leben. Ich kann in voller Tauchausrüstung unter Wasser ein internationales Team von Minentauchern führen, amphibische Operationen planen und 40 Meter über Deck auf einem dünnen Drahtseil an der Rahe ein Segel festziehen. Auf schwankendem Untergrund, bei eisigen Temperaturen, mitten in der Nacht.

Aber jetzt hier, in meinem delphinblauen Auto schwanke ich zwischen Glück und Traurigkeit. Stolz und Unsicherheit. Stürmische See. Ich stehe mal wieder am Anfang und kann nichts. Ich bin vor 15 Jahren Soldat geworden, ich wollte die Welt entdecken, auf Abenteuersuche, da wo die Angst ist, da geht´s lang. Wenn ein Freiwilliger gesucht wurde, um in der Nacht aufzuentern, senkrecht die Wanten hoch, ungesichert, dann habe ich mich gemeldet. Ich wollte wissen, ob ich es schaffe. Meine Grenzen kennenlernen. Es brauchte Vertrauen in meine Vorgesetzten und Selbstüberwindung, damit ich mir selbst vertrauen kann. Bei jeder neuen Aufgabe. Ab heute muss es ohne die Uniform und ohne Vorgesetzte funktionieren. Das System Marine funktioniert, Perfektion ist das Ziel. Aber Entwicklung braucht Fehler, braucht Experimente. Ich will mich entwickeln, damit ich andere besser führen kann. Dafür muss ich wieder loslassen, ausprobieren, Fehler machen, scheitern. Ich will andere dabei unterstützen, diesen Weg auch zu gehen, damit sie Dritte ebenfalls dafür begeistern können. In dieser Welt sind »Befehl und Gehorsam« wirkungslos. Es geht um Sinn, Ziele und natürlich auch um Disziplin. Regeln als Hilfe und nicht als Einschränkung zu betrachten.

6:00 Uhr, Wecken auf der Fock, ein schriller Pfiff, begleitet vom traditionellen Weckruf, bei dem die erste Silbe betont und langezogen wird: »Reise, Reise, Aufstehen!« Ab der Sekunde läuft die Zeit. Zu verstehen, dass die Fock kein La-Paloma-Segler ist, dafür braucht man an Bord ca. 20 Minuten. Nach dem ersten Appell sind jede Romantik und falsche Vorstellung dahin. Ich habe hier viel gelernt, ich weiß wie man eine Hängematte rollt und richtig stopft und warum es wichtig ist, noch vor dem Waschen eine perfekt gezurrte Hängematte zu haben. Sie ist nicht nur der liebste Ort an Bord, an dem man schlafen und wieder zu Kräften kommen kann. Sie ist – richtig gezurrt – schwimmfähig und damit das sichere Stück Land auf offener See. Wer seine Komfortzone verlassen will, der ist gut beraten etwas zu haben, an dem er oder sie sich festklammern kann, wenn es zum Äußersten kommt.

Ich lache, ich weine und ich singe laut und schief. Auf dem Weg nach Hamburg, zu neuen Herausforderungen. Auf dem Rücksitz: meine Hängematte. Perfekt gezurrt.

Dieser Tag ist über 1 Jahr her. Heute begleite ich Unternehmen und Organisationen erfolgreich in ihren Transformationsprozessen. Durch Training, Coaching und Beratung unterstütze ich Führungskräfte aller Verantwortungsebenen dabei, ein gemeinsames strategiestützendes Führungsverständnis zu entwickeln. Das Ziel: Vertrauensvolle Umfelder für das Wachstum und damit den Erfolg ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Aufgewachsen bin ich im schönen Westerwald. Heute lebe ich mit meiner Frau in einem kleinen Städtchen westlich von Hamburg. Ich liebe das Reisen, gute Küche, Musik und alle möglichen Aktivitäten in der Natur.

Vor allem am, auf und im Wasser fühle ich mich nach wie vor in meinem Element.

 

Schwerpunkte

Führungspersönlichkeit

Teamentwicklung

Visions- und Strategieentwicklung

Gesunde Führung

 

Michael Plath

BRIDGEHOUSE
Auguststraße 85
10117 Berlin

Telefon +49 30 60 98 32 10
Mobil +49 176 32 86 29 46

m.plath@bridgehouse.de